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Ein Brief an den Verstorbenen
Es gibt Dinge, die man noch sagen wollte. Sätze, die im Hals stecken geblieben sind. Manchmal hilft es, sie trotzdem aufzuschreiben – als Brief an den Menschen, der gegangen ist.
Das mag sich zuerst seltsam anfühlen. Und doch tut es vielen gut. Ein Brief an einen Verstorbenen ist ein altes, behutsames Ritual: Du sprichst weiter mit ihm, auch wenn er nicht mehr antworten kann. Die Verbindung bleibt – sie verändert nur ihre Form.
Du musst nichts richtig machen. Schreib, wie dir der Schnabel gewachsen ist. Mit der Hand auf Papier oder am Bildschirm. Lang oder nur ein paar Zeilen. Niemand liest mit, wenn du das nicht möchtest.
Vielleicht möchtest du erzählen, was seitdem geschehen ist. Vielleicht das Ungesagte: ein Dank, der nie laut wurde. Wie sehr du ihn vermisst. Oder etwas Schweres – eine Bitte um Vergebung, oder dass du selbst vergibst. Auch Wut darf in so einen Brief, wenn sie da ist.
Es muss kein schöner Brief sein und kein vollständiger. Du darfst mitten im Satz aufhören und ihn Wochen später weiterschreiben. Du darfst viele Briefe schreiben oder nur diesen einen.
Was danach mit den Worten geschieht, entscheidest du. Manche bewahren ihren Brief auf, andere legen ihn ans Grab, manche verbrennen ihn. Es gibt hier kein Soll.
Wenn es dir zu nah ist, leg den Stift weg. Du musst nicht. Und wenn es dich tröstet, ist das ein guter Grund, es zu tun – wann immer du bereit bist.
Angel Reminder