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„Herbst“ von Rainer Maria Rilke
Manchmal sagen Gedichte das, wofür wir selbst keine Worte finden. Rilke schreibt vom Fallen – von Blättern, von der Erde, von uns allen. Es klingt schwer. Und doch endet das Gedicht in einer Geborgenheit, die größer ist als das Fallen.
Die Blätter fallen, fallen wie von weit,
als welkten in den Himmeln ferne Gärten;
sie fallen mit verneinender Gebärde.
Und in den Nächten fällt die schwere Erde
aus allen Sternen in die Einsamkeit.
Wir alle fallen. Diese Hand da fällt.
Und sieh dir andre an: es ist in allen.
Und doch ist Einer, welcher dieses Fallen
unendlich sanft in seinen Händen hält.
Rainer Maria Rilke, „Herbst“ (1902) – gemeinfrei.
Vielleicht magst du das letzte Bild einen Moment bei dir behalten: dass nichts ins Bodenlose fällt, sondern gehalten wird. Auch der Mensch, der dir fehlt. Auch du.
Angel Reminder