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Wut und Hadern dürfen sein
Wut gehört zur Trauer. Sie ist menschlich und erlaubt, auch wenn dir vielleicht beigebracht wurde, dass man in der Trauer nur traurig und sanft sein darf. Du darfst auch zornig sein. Das macht dich nicht zu einem schlechten Menschen.
Vielleicht haderst du mit dem Schicksal: Warum gerade er, warum gerade sie, warum jetzt? Vielleicht richtet sich dein Zorn auf Ärzte, auf eine Diagnose, die zu spät kam, auf ein Unglück, das niemand mehr ändern kann.
Vielleicht bist du wütend auf dich selbst – für etwas, das du gesagt oder nicht gesagt hast, für einen Anruf, der nie kam, für eine Umarmung, die du dir heute zurückwünschst. Diese Gedanken sind schwer, und sie sind verbreiteter, als du denkst.
Und vielleicht – das ist das Leiseste von allem – bist du sogar wütend auf den Menschen, der gegangen ist. Dass er dich allein gelassen hat. Dass er nicht geblieben ist. Dass alles jetzt anders ist und du es tragen musst.
Wenn dieser Gedanke dich erschreckt, atme einmal durch. Er bedeutet nicht, dass du nicht geliebt hast. Im Gegenteil: Man kann nur jemanden so vermissen, den man so sehr gebraucht und geliebt hat. Die Wut und die Liebe widersprechen sich nicht – sie kommen aus derselben Tiefe.
Du musst diese Wut nicht wegdrücken und nicht rechtfertigen. Du darfst sie spüren, sie aussprechen, sie aufschreiben, sie jemandem anvertrauen, dem du vertraust. Gefühle, die gesehen werden, werden mit der Zeit oft milder.
Und wenn der Zorn so groß wird, dass er dich auffrisst oder dir Angst macht, darfst du dir Hilfe holen – bei einer Trauerbegleitung, beim Hausarzt oder in der Seelsorge. Mit jemandem darüber zu sprechen, ist kein Eingeständnis von Schwäche. Es ist ein Akt der Selbstfürsorge.
Angel Reminder