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Vorsorge und Nachlass in Österreich – was du heute ordnen kannst

Rechtsstand:

Lesezeit ca. 9 Min. · Für Menschen in Österreich

Kurz gesagt: Vorsorge ist mehr als ein Testament. Vier Bereiche entscheiden, wie sehr du deine Angehörigen entlastest: Erbrecht (wer erbt und was du frei verteilen kannst), Vorsorgevollmacht & Patientenverfügung (wer für dich entscheidet, wenn du es nicht mehr kannst), Organspende (wo deine Haltung dokumentiert ist) und der digitale Nachlass (deine Konten und Zugänge). Das meiste davon kannst du selbst und ohne Behörde vorbereiten – und das Wichtigste ist oft nicht ein Dokument, sondern eine geordnete Übersicht, wo alles liegt.

1. Erbrecht: Wer erbt – mit und ohne letztwillige Verfügung

Hinterlässt du keine Verfügung, gilt die gesetzliche Erbfolge des Allgemeinen Bürgerlichen Gesetzbuchs (§§ 727 ff. ABGB). Sie folgt einer Parentelen-Ordnung: Zuerst erben deine Nachkommen, fehlen sie, kommen Eltern und deren Linie zum Zug, danach die Großeltern und deren Linie. Der überlebende Ehegatte beziehungsweise eingetragene Partner erbt daneben mit eigenem gesetzlichen Anspruch (§ 744 Abs. 1 ABGB): neben Nachkommen zu einem Drittel, neben Eltern zu zwei Dritteln, sonst zur Gänze. Ein Partner im Konkubinat hat – anders als in manchen anderen Rechtsordnungen – kein gesetzliches Erbrecht; er ist auf die frei verfügbare Quote oder eine testamentarische Zuwendung angewiesen.

Pflichtteil und frei verfügbare Quote

Über deine Verlassenschaft entscheidest du nicht vollständig frei: Ein Teil ist als Pflichtteil geschützt. Nach § 757 ABGB sind ausschließlich Nachkommen sowie Ehegatte beziehungsweise eingetragener Partner pflichtteilsberechtigt – die Eltern sind in Österreich nicht pflichtteilsberechtigt, anders als etwa in Deutschland. Der Pflichtteil beträgt die Hälfte dessen, was nach gesetzlicher Erbfolge zustünde (§ 759 ABGB), und ist als Geldanspruch gegen die Erben gerichtet (§ 763 ABGB). Was nach Abzug der Pflichtteile bleibt, ist die frei verfügbare Quote: darüber bestimmst du mit letztwilliger Verfügung oder Erbvertrag.

Letztwillige Verfügung, Erbvertrag, Verlassenschaftsverfahren

Das Verlassenschaftsverfahren leitet das Bezirksgericht von Amts wegen ein, sobald der Todesfall unzweifelhaft bekannt ist (§ 143 AußStrG). Die Abhandlung führt ein Gerichtskommissär – ein Notar mit gerichtlicher Funktion. Den Erbnachweis liefert nicht ein Erbschein, sondern der Einantwortungsbeschluss (§§ 177 f. AußStrG), sobald Erben und Quoten feststehen. Bei einer Verlassenschaft mit Aktiven unter 5 000 Euro kann das Gericht von einer Abhandlung absehen (§ 153 AußStrG).

2. Vorsorgevollmacht und Patientenverfügung

Diese beiden Dokumente wirken zu Lebzeiten – nämlich dann, wenn du selbst nicht mehr entscheiden kannst. Sie regeln Unterschiedliches und ersetzen einander nicht:

Ohne Vorsorgevollmacht greift unter bestimmten Voraussetzungen die gesetzliche Erwachsenenvertretung durch nächste Angehörige (§ 268 ABGB) – nur wenn kein anderer Vertreter bestellt werden kann und nicht vorab widersprochen wurde. Wer das nicht möchte, kann der gesetzlichen Vertretung beim Erwachsenenschutzverein (Register der Widersprüche) widersprechen. Subsidiär kann das Gericht eine gerichtliche Erwachsenenvertretung anordnen (§§ 271 ff. ABGB).

3. Organspende: was heute gilt

Stand Juli 2026: In Österreich gilt die Widerspruchslösung. Nach § 5 Abs. 1 OTPG ist eine Organentnahme zulässig, sofern keine ablehnende Erklärung vorliegt. Eine solche Erklärung kann auch im Widerspruchsregister der Gesundheit Österreich GmbH (GÖG) eingetragen sein (§ 6 OTPG). Wer seinen Willen nicht ausdrücklich festhält, kann damit Organspender werden – das ist die gegenteilige Grundregel zur deutschen Entscheidungslösung.

Für dich heißt das: Du dokumentierst deine Haltung am besten schriftlich – Zustimmung wie Widerspruch – und teilst sie deinen Angehörigen mit. Auch wenn die Rechtslage ohne Erklärung eine Spende erlaubt, entlastet ein dokumentierter Wille die Angehörigen in der schwersten Stunde.

4. Bestattung und digitaler Nachlass

Das Bestattungswesen ist in Österreich Landessache. Jedes der neun Bundesländer hat eigene Regeln zu Fristen, Bestattungspflicht und Bestattungsart. Eine Aufzählung „die neun Bestattungsgesetze" greift allerdings zu kurz – Tirol regelt das Bestattungswesen nicht in einem eigenen Bestattungsgesetz, sondern im Gemeindesanitätsdienstgesetz.

Zum Nachlass gehören auch deine Online-Konten, Profile und Abos. Du musst dafür keine Passwörter vererben – es genügt eine geordnete Übersicht, welche Konten existieren, wo man ansetzt und was du dir wünschst. Für in Österreich gelegene Dienste gilt die DSGVO; beim Serverstandort im Ausland kommen die Regeln zur Drittlandübermittlung dazu.

› Digitalen Nachlass regeln – ohne Passwörter weiterzugeben

Steuerliche Lage: ErbStG seit 2008 nicht mehr erhoben

Eine Erbschafts- und Schenkungssteuer wird in Österreich seit 1. August 2008 nicht mehr erhoben. Der Verfassungsgerichtshof hat die entsprechenden Grundtatbestände des ErbStG 1955 aufgehoben (BGBl I 9/2007 und BGBl I 39/2007). Das ErbStG 1955 als Gesetz ist dabei nicht zur Gänze außer Kraft getreten; die unbenutzten Bestimmungen wurden lediglich leerlaufend. Bei unentgeltlichem Erwerb von Grundstücken fällt hingegen die Grunderwerbsteuer (GrESt) nach dem GrEStG 1987 an – sie ist nicht aufgehoben und trägt einen Stufentarif.

Checkliste: Was du diese Woche ordnen kannst

Du brauchst nicht alles auf einmal. Diese Schritte sind organisatorisch, kostenlos und sofort machbar:

Neutrale, kostenlose Anlaufstellen

Häufige Fragen

Wer erbt in Österreich ohne Testament?

Ohne letztwillige Verfügung gilt die gesetzliche Erbfolge des ABGB. Die Verlassenschaft fällt zuerst an die Nachkommen, danach an Eltern und deren Linie, dann an Großeltern und deren Linie. Der Ehegatte beziehungsweise eingetragene Partner erbt neben den Nachkommen mit einem Drittel, neben Eltern mit zwei Dritteln, sonst zur Gänze (§ 744 Abs. 1 ABGB).

Wer ist in Österreich pflichtteilsberechtigt?

Pflichtteilsberechtigt sind nach § 757 ABGB ausschließlich die Nachkommen sowie der Ehegatte beziehungsweise eingetragene Partner. Eltern sind in Österreich – anders als in Deutschland – nicht pflichtteilsberechtigt. Der Pflichtteil beträgt die Hälfte dessen, was nach gesetzlicher Erbfolge zustünde (§ 759 ABGB) und ist als Geldanspruch gegen die Erben gerichtet (§ 763 ABGB).

Wie lange gilt eine verbindliche Patientenverfügung in Österreich?

Eine verbindliche Patientenverfügung verliert nach § 7 Abs. 1 PatVG regelmäßig nach acht Jahren ab Errichtung ihre Verbindlichkeit, sofern nicht kürzer bestimmt. Eine Erneuerung nach erneuter ärztlicher Aufklärung lässt die Frist neu laufen. Eine bloß beachtliche Verfügung wird gemäß § 9 PatVG umso mehr berücksichtigt, je mehr sie den Voraussetzungen der verbindlichen entspricht.

Gilt in Österreich die Widerspruchs- oder die Zustimmungslösung bei der Organspende?

In Österreich gilt die Widerspruchslösung nach § 5 Abs. 1 OTPG. Eine Organentnahme ist zulässig, außer es liegt eine ablehnende Erklärung vor – auch wenn sie im bei der GÖG geführten Widerspruchsregister eingetragen ist. Die Grundregel ist damit gegenteilig zur deutschen Entscheidungslösung.

Wer entscheidet für mich in Österreich, wenn ich selbst nicht entscheiden kann?

Du kannst mit einer Vorsorgevollmacht (ABGB §§ 260 ff.) eine Person bevollmächtigen, die im Fall deiner Entscheidungsunfähigkeit für dich handelt. Die Vorsorgevollmacht muss höchstpersönlich und schriftlich vor Notar, Rechtsanwalt oder Erwachsenenschutzverein errichtet werden (§ 262 ABGB) und wird nach Eintritt des Vorsorgefalls im ÖZVV registriert. Ohne Vorsorgevollmacht greift unter bestimmten Voraussetzungen die gesetzliche Erwachsenenvertretung durch nächste Angehörige (§ 268 ABGB); subsidiär kann das Gericht eine Erwachsenenvertretung anordnen.

Wohnst du in Deutschland oder der Schweiz? Die Regeln unterscheiden sich teils deutlich – die Länder-Ratgeber sind für Deutschland und für die Schweiz angelegt.

Das Wichtigste: dass deine Liebsten wissen, wo alles liegt

Mit Angel Reminder hältst du fest, wo deine Konten, Verträge und Wünsche liegen – und stellst es im Ernstfall den richtigen Menschen zu. Ohne Passwörter.

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